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Gartentherapie: Erholung für Körper und Seele

Die aktive Beschäftigung mit der Natur kann bei Depressionen, Ängsten und Burn-out helfen
von Ute Essig, aktualisiert am 29.03.2017

Draußen sein: Gartenarbeit ist erholsam für Körper und Seele

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Es ist ein kleines Paradies. Im "Garten der Sinne" der Mittel­rhein-Klinik Bad Salzig bei Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) wiegen sich orangerote Taglilien und zartgelber Frauenmantel im Wind. Rosmarin, Fenchel und Liebstöckel verströmen ein intensives Aroma, wenn sich die Patienten über die Beete beugen, um Unkraut auszuzupfen.

Herbert L. atmet tief ein, wenn er bei der Gartentherapie mit der Hand über Lavendelblüten streicht. "Hier komme ich zur Ruhe und kann meine Seele baumeln lassen", sagt der Bankangestellte. Nach einem Burn-out wird er sich einige Wochen in der Klinik aufhalten, die sich auf psychosomatische und onkologische Rehabilitation spezialisiert hat. Hier soll er lernen, wieder entspannter zu leben.

Ohne Druck etwas Sinnvolles tun  

"Ich habe jahrelang unter starkem Druck gearbeitet und lief ständig auf Hochtouren. Selbst am Wochenende fühlte ich mich innerlich so gehetzt, dass ich es nicht genießen konnte, einmal im Café zu sitzen", erzählt der 45-Jährige. Damit soll nun Schluss sein. Im Therapiegarten findet er Abstand zum erschöpfenden Alltag – wie auch Renate K. aus Duisburg. "Wir lernen hier, achtsamer mit uns umzugehen und mit Spaß ­etwas Sinnvolles zu schaffen", sagt die 54-jährige Erzieherin, die unter Schwindelattacken, Kopfschmerz und Erschöpfung leidet. Dr. Matthias Rudolph, ärztlicher Direktor der Mittel­rhein-Klinik, bewertet die Effekte der Gartentherapie ähnlich: "Draußen in der Natur kommen unsere Rehabilitanden sich selbst nah."

Gemeinschaft gibt zusätzlichen Halt

In Bad Salzig ist die Gartentherapie als Projekt- und Gruppenarbeit konzipiert. Der Austausch mit anderen ist bei Depressionen, Ängsten und Burn-out ein nicht zu unterschätzender Wirkfaktor. Beim gemeinschaftlichen Säen und Harken stellen die Patienten fest, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine stehen. Im Lauf der Jahre haben unzählige Teams in dem 25 Hektar großen Klinikpark den "Garten der Sinne" geschaffen. Sie bepflanzten einen Duftgarten und legten einen Barfußpark an, bauten ein Gewächshaus und nutzten die Natur für künstlerische Installationen, malten zum Beispiel das Bild eines Geparden in den natürlichen Wuchs eines Riesen-Lebens­­baums hinein.

Gartentherapie regt Kreativität an

Der Arbeitstherapeut Jürgen Meurer und die Kunsttherapeutin Patty Muller unterstützen ihre Schützlinge, indem sie Eigeninitiative fördern und kreatives Potenzial wachkitzeln. Auch Menschen, die lange arbeitsunfähig oder arbeitslos waren, gewinnen durch die Projekte im Grünen Vertrauen in ihre Schaffenskraft und ihr eigenes Ich. "Die Therapie hilft, die Patienten zu erden und in Alltagsprozesse einzubinden", sind sich Meurer und Muller einig.

Wie Ergo- und Kunsttherapie gehört die Gartentherapie zu den Verfahren, die als individueller Baustein Basis­therapien ergänzen. Profitieren können etwa Patienten mit psychischen oder neurologischen Erkrankungen und Menschen, denen sensorische, psychische oder motorische Fähigkeiten abhandengekommen sind.

Natur lenkt von Problemen ab

In der Schweiz ist die Behandlungs­methode seit Jahren etabliert und besser untersucht als in Deutschland. Eine aktuelle Studie von Dr. Martin Verra vom Inselspital, Universitätsspital Bern, mit 79 Teilnehmern belegt etwa, "dass ein vierwöchiges Schmerzbewältigungsprogramm mit Gartentherapie für die körperliche und mentale Gesundheit einen Mehrwert hat", sagt der Direktor des Instituts für Physiotherapie.

Zum einen mindert es Ängste und Depressivität. Zum anderen verbessert es die körperliche Funktion bei Alltagsaktivitäten wie Gehen und Heben sowie den Umgang mit Rückenschmerz stärker als ein Programm, das auf Aktivitäten im Grünen verzichtet. Verras Erklärung hierfür: "Durch die Konzentration auf die Natur tritt der Schmerz in den Hintergrund."



Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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