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Schlagfertig sein, ohne zu verletzen

Verbale Angriffe reizen dazu, selbst mit einem bösen Spruch zu kontern. Das kann aber das Gesprächsklima weiter vergiften. Zwei Expertinnen zeigen Alternativen auf
von Dr. med. Roland Mühlbauer, 09.07.2015

Bei Wortattacken besser ruhig bleiben – dann klappt es auch mit dem Nachbarn

Mauritius/Andre Pöhlmann

Es war ein harter Arbeitstag. Und kaum zuhause angekommen, schmettert Ihnen der Nachbar entgegen: "Eine Schande, wie Sie Ihr Haus verlottern lassen. Jetzt hängen schon die Äste Ihres Baums über meinen Zaun." Da ist die Versuchung groß, eine schnippische Antwort zu geben wie "Ihr Zaun hat aber auch schon bessere Tage erlebt." – So lässt sich zwar die eigene schlechte Laune wunderbar weiterverbreiten. Aber die dahingesagten Worte können auch der Beginn eines hartnäckigen Heckenkrieges sein.

Sich nicht unter Druck setzen lassen, originell zu sein

Psychologin und Kommunikationstrainerin Barbara Berckhan rät deshalb von verbalen Kontern ab, die zu langfristigen atmosphärischen Störungen führen. Auf Angriffe gar nicht zu reagieren, ist aber auch nicht immer möglich. Denn wer schweigt, scheint zuzustimmen, wussten schon die alten Römer. Die Buchautorin rät: "Erst mal sollten Sie sich nicht unter Druck setzen, etwas besonders Originelles zu entgegnen. Mit so einem Angriff präsentiert sich ihr Gegenüber schließlich von seiner schlechtesten Seite, da brauchen Sie nicht Ihr Bestes zu geben."

Statt eines Gegenschlags könnten Sie zunächst etwas sagen, was den anderen verwirrt. Eine Möglichkeit laut Berckhan: Entgegnen Sie "Zweige über dem Zaun – das ist auch so ein Thema..." und verfallen ins Grübeln. Fragt Ihr Gegenüber nach, wie Sie das meinen, erklären Sie, dass Sie die Angelegenheit in Ruhe mit ihm besprechen möchten. Zweite Antwortvariante wäre eine Gegenfrage, um sich Zeit zu verschaffen: "Verlottert ist ein interessantes Wort. Können Sie mir erklären, was Sie darunter verstehen?" Auch eine bewusste Umleitung auf ein anderes Thema wäre möglich: "Apropos – habe ich Ihnen schon meinen neuen Rasenmäher gezeigt?"

Überraschende Komplimente entwaffnen Arrogante

Gerade bei arroganten Zeitgenossen soll ein unerwartetes Kompliment Wunder wirken: "Ich bewundere sehr, wie Sie Ihren Garten im Griff haben. Da sind Sie mir haushoch überlegen. Wie machen Sie das?" – Erfahrungsgemäß ist laut Berckhan die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Gelobte dann von seinem hohen Ross heruntersteigt und erzählt, dass er hier und dort auch nicht so perfekt ist.

Wer aber gar keine Lust hat, sich auf ein Gespräch einzulassen, könne den Angreifer auch mit einem unpassenden Sprichwort stehen lassen, sagt Berckhan. Zum Beispiel: "Na ja, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Oder Sie antworten kurz angebunden neutral mit zwei Silben. Schon Loriots Figuren machten ein lakonisch erstauntes "Ach was!" populär. Bei Berckhans Seminarteilnehmern sind auch "Potzblitz" oder "So so" beliebt. Bei jugendlicheren Jahrgängen kann es freilich ebenso ein "Wie krass" oder "Alter!" sein.

Vorsicht vor Ironie

Manchmal können sicherlich auch Schweigen und eine nonverbale Antwort Gold sein. Dann aber richtig: "Strahlen Sie zum Beispiel als Frau den anderen so an, als sei das Gegenüber der Ritter auf dem weißen Pferd, also ein Held. Das hat einen ziemlichen Überraschungseffekt", schlägt die österreichische Verhandlungstrainerin Dr. Ingeborg Rauchberger vor. Weniger erfolgreich sei hingegen eine selbstironische Antwort wie "Mein Partner beschwert sich auch ständig, wie sehr ich alles verlottern lasse". Denn deutschen Studien zufolge verstehen bis zu siebzig Prozent der Bevölkerung Ironie falsch. "Möglicherweise denkt das Gegenüber dann, wenn Sie es selbst zugeben, ist er sowieso im Recht", erklärt Rauchberger.

Die Kommunikationsexpertin rät sogar in einem Buch dazu, gar nicht nach Schlagfertigkeit zu streben: "Ich habe immer wieder Menschen erlebt, die sich in Verhandlungen um Kopf und Kragen geredet haben, weil sie gedacht haben, wer die originelleren Wortmeldungen hat, ist der Sieger." Bei einer überraschenden Attacke sollten Sie besser erst mal tief durchatmen und überlegen, wofür Sie eigentlich das Gespräch führen. Und viel wichtiger als schlagfertig zu sein sei es, sich gut vorbereitet in Verhandlungen zu begeben, ein klares Ziel im Kopf zu haben und es nicht aus den Augen zu verlieren. "Fragen Sie sich außerdem stets, wie Sie die Beziehung zum Gesprächspartner verbessern können", fügt Rauchberger hinzu. Dabei versteht sie auch private Gespräche als Verhandlungen, sobald die Angehörigen etwas voneinander wollen – und sei es nur, dass der Partner einem zuhört oder etwas glaubt.

Sachlich und konstruktuiv reagieren

Für unangemessene Angriffe schwört Rauchberger deshalb auf die 3R-Regel: sachlich reagieren, Richtung ändern und zielgerichtet reden. "Das können auch Menschen sehr gut umsetzen, die sich für weniger wortgewandt oder geistesgegenwärtig halten." Wenn beispielsweise ein Kunde Unfähigkeit unterstellt, könnte die Antwort also lauten: "Nein, das ist nicht richtig. Das sehen Sie gleich anhand unseres Angebotes. Sehen Sie her, da haben wir folgende Möglichkeiten..." – und schon befindet sich das Gespräch wieder in konstruktiven Bahnen.

Manchmal sind aber sogar Kommunikationsprofis sprachlos: Als Berckhan eine Verkäuferin am Wühltisch fragte, was die Ware kostet, schoss es ihr entgegen: "Sind Sie denn blind oder können Sie nicht lesen? Da oben steht doch der Preis!" Erst im Nachhinein fiel Berckhan ein, was sie gerne geantwortet hätte: "Danke, und hier haben Sie meine Visitenkarte, falls Sie mal eine Schulung Ihres Verkaufstalents benötigen."



Bildnachweis: Mauritius/Andre Pöhlmann

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